Übrigens muß man gestehen, daß es vielleicht nirgends Unterhaltung gibt, als unter den Franzosen. Man nenne einem Deutschen ein Wort, oder zeige ihm ein Ding, darauf wird er kleben bleiben, er wird es tausendmal mit seinem Geiste anfassen, drehen und wenden, bis er es von allen Seiten kennt, und alles, was sich davon sagen läßt, erschöpft hat. Dagegen ist der zweite Gedanke über ein und dasselbe Ding dem Franzosen langweilig. Er springt von dem Wetter auf die Mode, von der Mode auf das Herz, von dem Herzen auf die Kunst, gewinnt jedem Dinge die interessante Seite ab, spricht mit Ernst von dem Lächerlichen, lachend von dem Ernsthaften, und wenn man dem eine Viertelstunde zugehört hat, so ist es, als ob man in einen Kuckkasten gesehen hätte. Man versucht es, seinen Geist zwei Minuten lang an einem heiligen Gegenstand zu fesseln: er wird das Gespräch kurzweg mit einem ah ba! abbrechen. Der Deutsche spricht mit Verstand, der Franzose mit Witz. Das Gespräch des erstern ist wie eine Reise zum Nutzen, das Gespräch des andern wie ein Spaziergang zum Vergnügen. Der Deutsche geht um das Ding herum, der Franzose fängt den Lichtstrahl auf, den es ihm zuwirft, und geht vorüber.
by von Kleist
Nur wenn der Spaß gar zu unerträglich wurde, wenn man ihn in den Arm stieß und ihn bei der Arbeit störte, sprach er: “Lassen Sie mich doch! Warum tun Sie mir weh?” Und es war etwas Seltsames in den Worten und der Stimme, mit der sie gesprochen wurden. Es klang darin etwas zum Mitleid Zwingendes, so daß ein junger Mensch, der neu ins Amt gekommen war und nach dem Beispiel der anderen sich erlaubt hatte, ihn zu verspotten, mit einem Mal stockte, wie von einem Schwert durchbohrt, – und von da ab schien alles um ihn verändert und zeigte sich ihm in anderem Lichte. Eine übernatürliche Macht stieß ihn von den Kollegn weg, denen er sich angeschlossen hatte, weil er sie für anständige, gut erzogene Menschen gehalten. Und noch lange nachher, in den heitersten Augenblicken, erschien ihm der kleiner Schreiber mit der Glatze über der Stirn, mit seinen eindringlichen Worten: “Lassen Sie mich doch! Warum tun Sie mir weh?” Und aus diesen eindringlichen Worten tönte ihm noch ein anderes entgegen: “Ich bin dein Bruder!” Und der arme junge Mensch hielt die Hand vors Gesicht, und viele Male in seinem Leben schauderte er noch, wenn er sah, wieviel Unmenschlichkeit im Menschen steckt, wieviel wilde Roheit sich hinter den verfeinerten, gebildeten Lebensformen verbirgt, und sogar, o Gott! bei so manchem, den die Welt für vornehm und ehrenhaft ansieht…
by Никола́й Васи́льевич Го́голь, Der Mantel
Verloren ist, wer den Humor verlor.
by Otto Julius Bierbaum
Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. – Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.
by Douglas Adams
Nächstenliebe findet man zum Beispiel bei Menschen, die Dienstvorschriften nicht einhalten.
by Ezra Pound
Die Bosheit trinkt die Hälfte ihres eigenen Giftes.
by Marcus Lucius Annaeus Seneca
Wer die Welt nicht von Kind auf gewohnt wäre, müsste über ihr den Verstand verlieren. Das Wunder eines einzigen Baumes würde genügen, ihn zu vernichten.
by Christian Morgenstern